Dieses Forum dient dem Austausch über Projekte, die sich mit dem Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso (1781-1838) beschäftigen. Wenn Sie Chamisso-Projekte vorstellen möchten, Unterstützung suchen oder Veranstaltungen ankündigen wollen, können Sie das auch als nicht registrierter Nutzer tun: Schicken Sie bitte eine Mail mit Ihren Informationen und Fragen an den Webmaster Michael Bienert.

Sonntag, 6. September 2026

Wie Chamisso die Zensur austrickste

Mit diesem Bild aus dem von Chamisso herausgegebenen Musenalmanach auf das Jahr 1837 hat es eine besondere Bewandtnis. Der abgebildete Heinrich Heine war seit Ende 1835 ein Autor, dessen Schriften in den Staaten des Deutschen Bundes nicht mehr gedruckt werden durfte, also auch im Musenalmanach nicht. Chamisso schlug daraufhin vor, stattdessen einen Kupferstich mit dem Porträt des verfemten Dichters zu drucken - das war nicht explizit verboten. In der Redaktion kam es zu einem Eklat, der Mitherausgeber Gustav Schwab trat zurück und einige Autoren verweigerten den Abdruck in einer so schändlich geschmückten Anthologie. Aber Chamisso, der in Heine einen den bedeutendsten Poeten seiner Zeit erkannte, setzte sich am Ende durch - der Musenalmanach erschien mit dem Bild des im Pariser Exil lebenden Kollegen Heinrich Heine, seinen Namen aber sucht man im Autorenverzeichnis vergebens.

Heine seinerseits hat Chamisso sowohl als romantischen wie als politisch wachen Dichter einer neuen Zeit gewürdigt: "Obgleich Zeitgenosse der romantischen Schule, an deren Bewegungen er teilnahm, hat doch das Herz dieses Mannes sich in der letzten Zeit so wunderbar verjüngt, daß er in ganz neue Tonarten überging, sich als einen der eigentümlichsten und bedeutendsten modernen Dichter geltend machte und weit mehr dem jungen als dem alten Deutschland angehört. Aber in den Liedern seiner früheren Periode weht derselbe Odem, der uns auch aus den Uhlandschen Gedichten entgegenströmt; derselbe Klang, dieselbe Farbe, derselbe Duft, dieselbe Wehmut, dieselbe Träne . . . Chamissos Tränen sind vielleicht rührender, weil sie, gleich einem Quell, der aus einem Felsen springt, aus einem weit stärkeren Herzen hervorbrechen."


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen