Mit diesem Bild aus dem von Chamisso herausgegebenen Musenalmanach auf das Jahr 1837 hat es eine besondere Bewandtnis. Der abgebildete Heinrich Heine war seit Ende 1835 ein Autor, dessen Schriften in den Staaten des Deutschen Bundes nicht mehr gedruckt werden durfte, also auch im Musenalmanach nicht. Chamisso schlug daraufhin vor, stattdessen einen Kupferstich mit dem Porträt des verfemten Dichters zu drucken - das war nicht explizit verboten. In der Redaktion kam es zu einem Eklat, der Mitherausgeber Gustav Schwab trat zurück und einige Autoren verweigerten den Abdruck in einer so schändlich geschmückten Anthologie. Aber Chamisso, der in Heine einen den bedeutendsten Poeten seiner Zeit erkannte, setzte sich am Ende durch - der Musenalmanach erschien mit dem Bild des im Pariser Exil lebenden Kollegen Heinrich Heine, seinen Namen aber sucht man im Autorenverzeichnis vergebens.
Heine seinerseits hat Chamisso sowohl als romantischen wie als politisch wachen Dichter einer neuen Zeit gewürdigt: "Obgleich Zeitgenosse der romantischen Schule, an deren Bewegungen er
teilnahm, hat doch das Herz dieses Mannes sich in der letzten Zeit so
wunderbar verjüngt, daß er in ganz neue Tonarten überging, sich als
einen der eigentümlichsten und bedeutendsten modernen Dichter geltend
machte und weit mehr dem jungen als dem alten Deutschland angehört. Aber
in den Liedern seiner früheren Periode weht derselbe Odem, der uns auch
aus den Uhlandschen Gedichten entgegenströmt; derselbe Klang, dieselbe
Farbe, derselbe Duft, dieselbe Wehmut, dieselbe Träne . . . Chamissos
Tränen sind vielleicht rührender, weil sie, gleich einem Quell, der aus
einem Felsen springt, aus einem weit stärkeren Herzen hervorbrechen."


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