Dieses Forum dient dem Austausch über Projekte, die sich mit dem Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso (1781-1838) beschäftigen. Wenn Sie Chamisso-Projekte vorstellen möchten, Unterstützung suchen oder Veranstaltungen ankündigen wollen, können Sie das auch als nicht registrierter Nutzer tun: Schicken Sie bitte eine Mail mit Ihren Informationen und Fragen an den Webmaster Michael Bienert.
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Freitag, 25. Juli 2025

"Die Natur muss gefühlt werden" - auf den Spuren von Merian, Humboldt und Chamisso

Führung im Botanischen Garten der Universität Potsdam am 19. 9. 2025 um 19 Uhr, Infos und Anmeldung: https://www.uni-potsdam.de/de/veranstaltungen/detail/2025-09-19-die-natur-muss-gefuehlt-werden-auf-den-spuren-von-merian-humboldt-und-chamisso

Was verbindet eine Künstlerin aus Amsterdam, einen deutschen Wissenschaftler aus Berlin und einen französischen Dichter? Die Antwort ist einfach gefunden - die Natur und das Interesse an unbekannten und unerforschten Orten. Handelt es sich doch um Maria Sibylla Merian, die bereits 1699 nach Surinam aufbrach, Alexander von Humboldt, den es gleich mehrfach in die Welt zog und der dabei Lateinamerika, die USA und Zentralasien bereiste und Adelbert von Chamisso, der als Naturforscher und Botaniker einmal die Welt umsegelte. Allen dreien und weiteren spannenden Naturforscher*innen wollen wir im Rahmen unserer literarisch-botanischen Führung nachspüren und gemeinsam mit Ihnen im Botanischen Garten Potsdam die Natur einer anderen Welt und exotische Pflanzen entdecken.
Freuen Sie sich auf einen kurzweiligen Abend in unseren Gewächshäusern mit interessanten Pflanzen, literarischen Texten und einem Abschlussgetränk passend zur Führung.

Dienstag, 10. Juni 2025

Chamisso-Sommer: Veranstaltungen des Literatur-Salons Potsdamer Straße

Der Rabe als Weltenschöpfer, 2014
 © Ulrike Ottinger

»Auf Chamissos Spuren« 
Projekt mit Lesungen, Filmen und Führungen
 
Selten hat eine Geschichte so viel bewegt. »Peter Schlemihls wundersame Geschichte« von 1813, vom Mann ohne Schatten, vom Glückssäckel, der Tarnkappe und von den Siebenmeilenstiefeln nimmt die Lebensgeschichte des Autors Adelbert von Chamisso vorweg.
Der Migrant aus Frankreich wurde Naturforscher, Weltreisender und Dichter. Mit einer russischen Expedition auf der Suche nach der Nordwest-Passage, segelte er ab 1815 drei Jahre um die Welt, botanisierte, sammelte und schrieb.
Nach seiner Rückkehr arbeitete er im Königlichen Botanischen Garten, heute Heinrich-von-Kleist-Park in Schöneberg. Chamisso lebte von 1781 bis 1838. Sein Leben war romantisch und modern.
 
Programm:
 
Sa., 21.06., 19 Uhr: Roland Kretschmer, freier Rezitator, liest aus »Peter Schlemihls wundersame Geschichte« von Adelbert von Chamisso
Eintritt frei

Ab So., 22.06., 18 Uhr: »Chamissos Schatten. Eine Filmreise zur Beringsee in drei Kapiteln«, aufgeteilt auf vier Abende. Ulrike Ottinger, avantgardistische Filmemacherin, Malerin und Fotografin, folgte 2014 den nördlichen Expeditionsrouten Chamissos auf seiner Reise um die Welt:
 
So., 22.06., 18 Uhr, Kapitel 1, Alaska und die aleutischen Inseln, 193 Min.
Fr., 04.07., 18 Uhr, Kapitel 2, Teil 1: Tschukotka, 192 Min.
Sa., 05.07., 18 Uhr, Kapitel 2,Teil 2: Tschukotka und die Wrangelinsel, 156 Min.
So., 06.07., 18 Uhr, Kapitel 3: Kamtschatka und die Beringinsel, 177 Min.
 
"Zeit meint hier nicht die Länge des Films, sondern die Gleichzeitigkeit der Jahrhunderte, die Zeit, die man im Kino dazugewinnt." Berlinale-Programm 2016
 
Ort: Marlene-Dietrich-Kinosaal, Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin,  Eintritt frei
 
Im Sommer besuchen wir Chamissos Orte in Berlin, u.a. mit Autor und Stadtführer Michael Bienert. Im Herbst gibt es weitere Lesungen und Gespräche. 
 
Veranstalter: Literatur-Salon Potsdamer Straße
Infos: Sibylle Nägele und Joy Markert, chamisso-projekt@email.de, mobil: 01522 7181579
Das Projekt wird gefördert durch die Dezentrale Kulturarbeit Tempelhof-Schöneberg
 

Freitag, 20. September 2024

Lausitzer LesART: Matthias Glaubrecht über Adelbert von Chamisso

Veranstaltung am

  • Montag, 23. September 2024
  • 19:00 – 18:00 Uhr
  • Veranstaltungsort: Stadt- und Regionalbibliothek, Berliner Str. 13/14, 03046 Cottbus

 

Der Evolutionsbiologe, Biosystematiker und Wissenschaftshistoriker Matthias Glaubrecht hat bei seiner Spurensuche einen bis heute übersehenen Schatz gehoben - die bewegte Lebensgeschichte eines Heimatlosen zwischen Krieg, Kunst, Wissenschaft und Weltumseglung.
Adelbert von Chamisso kam als Flüchtling in den Wirren der französischen Revolution nach Deutschland. In der Fremdsprache Deutsch begann er zu dichten, erfand die Gestalt des schattenlosen Peter Schlemihl und wurde damit berühmt. Doch es zog ihn hinaus in die Welt. Als Mitglied einer Forschungsreise auf der Suche nach der Nordostpassage fand er als Naturkundler unbekannte Pflanzenarten und deckte Naturgesetze auf, die noch Darwin beeindruckten.

Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg. Er verfasste mehrere Bücher und erhielt 2023 den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

Moderation: Hendrik Röder, Brandenburgisches Literaturbüro
Mitveranstalter: Brandenburgisches Literaturbüro, Lausitzer Rundschau

https://www.bibliothek-cottbus.de/de/aktuelles/veranstaltungskalender/artikel-lausitzer-lesart-matthias-glaubrecht.html

Sonntag, 29. Mai 2022

Chamissos Garten - Einladung zur Kleistpark-Führung

Mittwoch, 22.06.2022, 17 Uhr, Chamissos Garten – Poetische Führung im Heinrich-von-Kleist-Park 

Der Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso wurde 1819 am Königlichen Botanischen Garten angestellt, als Kustos am Königlichen Herbarium. Er arbeitete hier als Wissenschaftler bis 1838. Und er schrieb, auch Gedichte. Wir flanieren durch den ehemaligen Botanischen Garten Berlins, heute Heinrich-von-Kleist-Park. Über diesen Ort wurde viel geschrieben und veröffentlicht, auch Poetisches. Rundgang mit Sibylle Nägele und Joy Markert. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Anmeldung bitte bei den Museen Tempelhof-Schöneberg vorzugsweise per E-Mail:
Museum@ba-ts.berlin.de 

Tel. 030 – 90277 6163 (Mo-Do 9-16 Uhr, Fr 9-14 Uhr) 

www.museen-tempelhof-schoeneberg.de

Montag, 6. Februar 2017

Die Rezeption von Chamissos Lyrik

Lutz Hagestedt in Paris (2011)
Der kürzlich verstorbene Ingenieur Hans Braam hat eine Datenbank hinterlassen, in der er Lyrik-Anthologien auswertete. Mit den Daten lassen sich Aussagen über die Beliebtheit, aber auch über das Verschwinden von Gedichten Adelbert von Chamissos machen. Bis heute lassen sich mit Braams Erhebung 128 verschiedene Chamisso-Gedichte in 192 Anthologien nachweisen, das entspricht 862 Abdrucken insgesamt und einer bruchlosen Überlieferung seit bald zweihundert Jahren. Auf dieser empirischen Basis hat Lutz Hagestedt 2011 bei der Chamisso-Konferenz in Paris einen Überblick über die Rezeptionsstränge von Chamissos Lyrik gegeben. Zu ihren Bewunderern gehörten Fontane und Thomas Mann, ausgegrenzt aus dem "ewigen Vorrat deutscher Poesie" wurde Chamisso von Rudolf Borchardt, der es an der Zeit fand, "dass der falsche Klassikername aus lyrischen Sammlungen verschwindet". Es widersprach seinem nationalkonservativen Dichtungsverständnis, dass ein gebürtiger Franzose in der Lage sein sollte, großartige deutsche Gedichte zu schreiben. Umso mehr höher war das Ansehen Chamissos beim liberalen und jüdischen Bürgertum. In Anlehnung an Brecht unterscheidet Hagestedt eine "pontifikale" und "profane" Linie der Lyrikrezeption - in der letzteren, stärker auf die gesellschaftliche Wirklichkeit bezogenen Tradition wurde Chamisso meistens gesehen. Mit gehöriger Verspätung ist der Vortrag von Lutz Hagestedt nun im Druck erschienen:

Hans Braam, Lutz Hagestedt: »Und mehr, als Ein zerrissen Lied | entströmte seiner Brust!« Aspekte der Chamisso-Rezeption in Moderne und Gegenwart. In: Philologia Sanat. Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag. Hg. von Gabriella Rovagnati und Peter Sprengel. Frankfurt/M. [u.a.]: Peter Lang 2016. S. 257–286. ISBN 978-3-631-67695-0.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Der überschätzte Humboldt

Matthias Glaubrecht ist Gründungsdirektor des
Centrums für Naturkunde der
Universität Hamburg. Foto: Bienert
Im Tagesspiegel setzt sich Matthias Glaubrecht kritisch mit Andrea Wulfs Buch "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" auseinander und kommt zu dem Schluss: "Statt einer Heroisierung Humboldts wird es Zeit, die geläufigen Erzählmuster seiner Biografie aufzubrechen und zu erkennen, dass der kosmische Ansatz von Humboldts Naturverständnis nicht zukunftsfähig war und sein Weltbild längst veraltet ist." Insbesondere verweist Glaubrecht auf Darwin, dessen Evolutionstheorie den Glauben an eine harmonische All-Einheit der Natur überwunden habe. Seine profunde Argumentation kann man hier nachlesen

Dienstag, 23. Februar 2016

Das Herbarium der Macht

Bei Verhandlungen zu diplomatischen Abkommen flankieren Blumenarrangements die Zusammenkünfte internationaler Verhandlungspartner. Das Werk Paperwork and the Will of Capital von Tara Simon untersucht die Bedeutung dieser individuell komponierten Blumenarrangements, die bei internationalen Staatsabkommen die Verhandlungstische schmücken. Die Bouquets werden zu Repräsentationszwecken zusammengestellt und betonen die Wichtigkeit der Vereinbarungen. In akribischer Feinarbeit reflektiert Taryn Simon anhand dieser scheinbar banalen Ornamentik das Genre Stillleben: Sie untersucht das Ausmaß des internationalen Pflanzenhandels und der aktuellen Geopolitik, um die Inszenierung politischer Macht zu hinterfragen. Es sind die Bouquets der bedeutendsten historischen Staatsabkommen der letzten vierzig Jahre, die Simon anhand von Archivbildern rekonstruiert. Sie beschafft sich die Pflanzen aus aller Welt, presst und trocknet sie und präsentiert in diesem Zuge ein faszinierendes Herbarium. (Quelle: Hatje Cantz Verlag, Ankündigung des Buches)

Taryn Simon
Paperwork and the Will of Capital
Texte von Kate Fowle, Daniel Atha, Hanan al-Shaykh Grafikdesign von Taryn Simon und Joseph Logan
Englisch, 200 Seiten, 1006 Abbildungen 25,5 x 33,7 cm
In Leinen gebundene Ausgabe: ISBN 978-3-7757-4157-6
Hatje Cantz Verlag & Gagosian Gallery New York, 2016, 78 Euro

Bilder der aktuellen Ausstellung in der Gagosian Gallery, New York, finden Sie hier.

Freitag, 18. Dezember 2015

Die Genese des Weltwissens – Wie das Objekt zur Erkenntnis wird - Neues Chamisso-Forschungsprojekt zu den Reisetagebüchern

Windrose aus Chamissos
Reiseaufzeichnungen
Von Matthias Glaubrecht  - Vor 200 Jahren, im August 1815, brach der französisch-stämmige deutsche Naturforscher Adelbert von Chamisso (1781-1838) – der heute meist noch als Dichter und Autor der phantastischen Novelle „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ bekannt ist – zu einer dreijährigen Reise um die Welt auf dem russi-schen Schiff „Rurik“ unter dem Kommando von Kapitän Otto von Kotzebue auf. Sie führte ihn quer über den Atlantik in den Pazifischen Ozean, dort an die Küsten Asiens und Amerikas, auf die Hawaii- und Radack-Inseln und auf der Suche nach einer Nordostpassage durch die Beringstraße in den arktischen Norden.
Pünktlich zum Jubiläum der historischen Reise von 1815 bis 1818 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt die finanzielle Förderung eines interdisziplinären Forschungsprojektes zur Erschließung und Analyse der im Zusammenhang mit Adelbert von Chamissos Weltumsegelung entstandenen Aufzeichnungen gewährt.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Frankfurter Buntbuch Nr. 55 über Chamisso in Kunersdorf erschienen

Chamisso-Literaturhaus in Kunersdorf
"Wie ich einmal auf dem Lande Langeweil und Muße genug hatte, fing ich anzu schreiben", berichtet Adelbert von Chamisso 1829 in einem Brief über die Entstehung von Peter Schlemihls wundersamer Geschichte im brandenburgischen Kunersdorf, wohin Freunde den Botaniker und Dichter vor der antifranzösischen Stimmung im Berlin der Freiheitskriege gegen Napoleon in Sicherheit gebracht hatten. Chamisso nährte die Legende, die Erzählung sei quasi absichtslos entstanden, weil dies seiner späteren Poetik entsprach. Doch es gibt Quellen im Nachlass, die ein anderes Licht auf den Entstehungsprozess werfen: "Das Blitz Prosa schreiben wird mir ungeheuer Sauer - mein Brouillon sieht toller aus als alle Verse, die ich je gemacht - hat es sich denn zu ruhiger vernünftiger Prosa gesetzt?" So Chamisso im September 1813 aus Kunersdorf an den Freund Hitzig in Berlin. Im Dialog mit dem Freund arbeitete Chamisso zielstrebig daran, sich zum Prosaerzähler weiterzuentwickeln. Der Blick in den Nachlass erlaubt es, Chamisso Selbstauskunft über die Entstehung seiner berühmtesten Erzählung einer kritischen Revision zu unterziehen. Insofern war es eine gute Entscheidung, das vor Jahren erschienene Frankfurter Buntbuch über Chamisso in Kunersdorf von einer Bearbeiterin des Chamisso-Nachlasses in der Berliner Staatsbibliothek noch einmal neu schreiben zu lassen. Die Autorin Monika Sproll ist dort mit der wissenschaftlichen Erschließung und Digitalisierung des Nachlasses beschäftigt. Im Chamisso-Literaturhaus berichtete sie heute bei der Buchvorstellung, wie sehr Chamisso über die Entstehung des Schlemihl hinaus mit Kunersdorf verbunden war. Während seines Aufenthaltes auf dem Mustergut der Familie Itzenplitz im Jahr 1813 arbeitete er an einem Verzeichnis der dort kultivierten Gewächse. Auch nach seiner Weltreise (1815-18) hielt der Botaniker Chamisso den Kontakt nach Kunersdorf. Als er 1821 den Auftrag erhielt, 30 Herbarien für Schulen anzulegen, sandte Chamisso Listen von Pflanzen, die dann in Kunersdorf angebaut und nach Berlin verschickt wurden.

Monika Sproll
Adelbert von Chamisso in Cunersdorf
Frankfurter Buntbücher 55
Kleist-Museum Frankfurt/Oder 2014
Vertrieb durch den Verlag für Berlin-Brandenburg
32 Seiten, zahlreiche Abbildungen
8 Euro

Sonntag, 13. Oktober 2013

Kew Gardens

Der Webmaster im Dschungel
von Kew Gardens
Sorry, der Webmaster war ein paar Tage nicht zu erreichen. Der Grund: eine Fortbildungsreise nach London, die auf Chamissos Spuren auch nach Kew in den Königlichen Botanischen Garten führte. Der Botaniker Chamisso hat Kew Gardens während des London-Aufenthaltes gegen Ende seiner Weltreise im Juni 1818 zu Studienzwecken besucht, heute gehört die ganze Anlage zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das berühmte Palmenhaus (Foto) wurde erst 30 Jahre später eröffnet. Der Webmaster hat ein paar Esskastanien vom ältesten Baum in Kew Gardens, der zu Chamissos Zeiten schon Früchte trug, mit nach Berlin gebracht.

Freitag, 1. März 2013

CHAMISSO-Magazin Nr. 8 erschienen - Interview zur Digitalisierung des Nachlasses

Aus Anlass der Verleihung der Chamisso-Literaturpreise am 28. Februar ist das achte CHAMISSO-Magazin der Robert-Bosch-Stiftung erschienen, das die drei Preisträger ausführlich vorstellt und das hier zum kostenlosen Download bereitsteht. 

Das Magazin enthält auch das unten wiedergegebene Interview von Michael Bienert mit den drei Mitarbeiterinnen der Staatsbibliothek zu Berlin, die den Nachlass Adelbert von Chamissos erschließen. 1938 ging er aus Familienbesitz an die Staatsbibliothek, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er in die Sowjetunion verschleppt und kehrte 1958 nach Ost-Berlin zurück. Mit Hilfe der Robert-Bosch-Stiftung wird der schriftliche Nachlass zur Zeit wissenschaftlich erschlossen, digitalisiert und im Internet veröffentlicht. Jutta Weber leitet das Projekt, sie hat es als stellvertretende Leiterin der Handschriftenabteilung in der Staatsbibliothek auf den Weg gebracht. Anja Krüger als Diplom-Archivarin und die Literaturwissenschaftlerin Monika Sproll arbeiten sich seit Anfang 2012 Blatt für Blatt durch den umfangreichen Nachlass.

Jutta Weber, Anja Krüger, Monika Sproll
in der Staatsbibliothek zu Berlin
CHAMISSO: Die Staatsbibliothek besitzt viele bedeutende Nachlässe, was zeichnet den von Chamisso besonders aus?
JUTTA WEBER: Es ist ein ungewöhnlich vollständiger Nachlass, er umfasst alle Arten von Dokumenten, die man sich nur wünschen kann: Briefe, Urkunden Reiseaufzeichnungen, Notizbücher, Werkmanuskripte, das meiste unveröffentlicht. Das alles korrespondiert mit anderen Handschriften in der Staatsbibliothek, die viele Nachlässe von Gelehrten des frühen 19. Jahrhunderts besitzt, etwa der Brüder Grimm, der Brüder Humboldt, der Philosophen Fichte und Hegel...
ANJA KRÜGER: Ich bearbeite die Familienbriefe und finde die Geschichte von Chamissos Familie, die wegen der Französischen Revolution 1792 nach Deutschland floh und später teils hier, teils in Frankreich lebte, hoch interessant. Für mich als Archivarin war es aber auch sehr spannend, die Geschichte des Nachlasses herauszuarbeiten. Auf den Nachlasszetteln stehen kleine Zahlen, wir haben inzwischen herausgefunden, dass es sich um Altsignaturen handelt. So können wir jetzt rekonstruieren, was fehlt oder vielleicht später hinzugekommen ist.
MONIKA SPROLL: Für die Literaturwissenschaft ist günstig, dass wir die Materialien eines ganzen Dichterlebens beisammen haben. Man kann nachvollziehen, wie der junge Chamisso sich vom Lyriker zum Prosaautor entwickelt und sich dann doch entscheidet, bei der Lyrik zu bleibt. Man sieht sein Interesse an den Literaturen Europas und über Europa hinaus. Interessant finde ich auch, dass Chamisso in der Literatur die Phantastik liebte, aber als  Wissenschaftler ein strenger Empiriker war. Das war zu seiner Zeit nicht selbstverständlich.
JUTTA WEBER: Das ist ein Nachlass, der nicht nur Literaturwissenschaftler begeistert, sondern auch Naturwissenschaftler!
CHAMISSO: Wann entstand die Idee zur digitalen Veröffentlichung?

Montag, 3. Dezember 2012

Chamissos Büste - eine Vermutung

1887, ein Jahr vor der Errichtung des Chamisso-Denkmals am heutigen Monbijou-Park in Berlin,  brachte das beliebte Familien-unterhaltungsblatt Die Gartenlaube eine unkommentierte Abbildung der Büste des Dichters, die anlässlich des bevorstehenden 50. Todestages bei dem Bildhauer Julius Moser in Auftrag gegeben worden war. Die Bildunterschrift deutet an, dass es  sich um einen Entwurf und noch nicht um das in teurem Carrara-Marmor ausgeführte Werk selbst handelt. Wenn ja, was wurde dann aus dieser ersten Büste? War es dieselbe, die der Botaniker Gustav Lindau, bis 1906 wissenschaftlicher Assistent am Botanischen Museum (danach Professor), über der Tür der Bibliothek betrachtet und bedichtet hatte, wie Bernd Ballmann herausfand?  Bibliothek und Sammlungen waren 1879 von der Potsdamer Straße in das neue Gebäude am Wilmersdorfer Weg umgezogen. Hatte der Bildhauer die Gipsbüste  zu Ehren ihres ehemaligen zweiten Kustos Adelbert von Chamisso der Bibliothek geschenkt? Wenn es so war, dann wurde sie wohl mitsamt der Bibliothek des Museums bei der Bombardierung von Berlin im Januar 1943 zerstört.


Anm. der Redaktion: Mit diesem Beitrag reagiert die Chamisso-Biografin auf den Eintrag Chamisso-Büste gesucht! vom 5. November 2012. Die Antwort von Bernd Ballmann finden Sie unten im Kommentar.

Montag, 29. Oktober 2012

Chamisso für Studienanfänger

Papilio rurika ist nach dem russischen
Forschungsschiff Rurik benannt, auf
dem Chamisso die Welt umsegelte.
Im heutigen Tagesspiegel macht Matthias Glaubrecht rechtzeitig zum Semesterbeginn die Studienanfänger mit der erfolgreichen Wissenschaftskarriere eines jungen Mannes bekannt, der vor ziemlich genau 200 Jahren sein Studium an der heutigen Humboldt-Universität aufnahm: Adelbert von Chamisso. Schön, dass Glaubrecht dieses Mini-Jubiläum genutzt hat, eine große Chamisso-Geschichte zu platzieren - nicht ohne auf sein Nachwort zur gerade erschienenen Prachtausgabe der Reise um die Welt hinzuweisen. Zum Artikel

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Herbarien von Teneriffa im Internet

Herbarbeleg von Ledru
Zur Bildquelle
"Von Gelehrten besucht und beschrieben worden ist Teneriffa, wie kein anderer Punkt der Welt", schreibt Adelbert von Chamisso im Tagebuch seiner Reise um die Welt. Seine eigene kurze Schilderung des dreitägigen Aufenthalts auf den Kanarischen Inseln im Oktober 1815 kann man inzwischen bequem mit anderen Forschungsberichten vergleichen, wenn man die Quellensammlung unter folgendem Titel aufruft: Scientific Voyages to the Canary Islands in the Eighteenth and Nineteenth Centuries: The Open Digital Research Library of the Humboldt Project. Neben Texten von Reisenden und Forschern über die Kanaren findet man dort auch zwei digitalisierte Herbarien, davon eines aus dem Jahr 1815 von Christen Smith und ein besonders malerisches von André Pierre Ledru aus dem Jahr 1796. Nicht viel anders werden Chamissos Pflanzensammlungen ausgesehen haben. Schön wärs, wenn irgendwann einmal auch seine digitalisierten Herbarien mit dem schriftlichen Nachlass virtuell im Internet zusammengeführt würden.

Freitag, 4. November 2011

Chamisso als Botaniker

"Ich stehe einer großen königlichen Heumanufaktur vor", schrieb Chamisso über seinen Auftrag, dreißig Herbarien mit je 300 Pflanzenarten für Lehrzwecke an preußischen Schulen zusammenzustellen. So heißt auch ein kurzes Porträt des Dichters als Botanikers, das in einer Sonderausgabe des von Irene Ferchl herausgegebenen literaturblatts für baden-württemberg (17. Jahrgang, Mai 2010, in der Beilage Angelegt. Der Garten meiner Kindheit. Chamisso PreisträgerInnen erzählen, S. 21-23) erschienen ist. Beim Aufräumen ist die Korrekturfahne mit dem ungekürzten Text aufgetaucht, es wäre schade, einfach Gras drüber wachsen zu lassen - deshalb kann diese kleine Einführung in den Botaniker Chamisso für Nichtbotaniker jetzt im Internet nachgelesen werden. Zum Text
Das Foto zeigt eine Blüte des Goldmohns (Eschscholzia californica), den Chamisso im Hafen von San Francisco entdeckt und nach seinem Freund Johann Friedrich Eschscholz benannt hat.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Heimatkunde im Jüdischen Museum

Die Künstlerin Maria Therezia Alves hat Bodenproben an bedeutenden historischen Orten in Berlin - wie dem ehemaligen Regierungsviertel an der Wilhelmstraße - genommen und Pflanzen aus den schlummernden Samen gezogen.

Dienstag, 31. Mai 2011

Chamisso am Kleistpark

Der Schöneberger Kleistpark wird in diesem Jahr 100 Jahre alt, im 19. Jahrhundert befand sich auf dem Gelände der Botanische Garten, wo Chamisso als Kustos und Leiter des Herbariums arbeitete. Daran erinnert seit 2009 eine Gedenktafel am Haus am Kleistpark, dem ehemaligen Botanischen Museum, heute Musikschule und kommunales Kulturhaus. Obwohl in der Gegend nichts mehr aussieht wie zu Chamissos Zeiten, lohnt sich eine Stippvisiste, denn man kommt in das ehemalige Museumsgebäude von 1880 ohne weiteres hinein und findet im Treppenhaus mit seiner imposanten gusseisernen Treppenkonstruktion einige Informationstafeln zur Geschichte dieser wenig beachteten Ecke der Stadt. Der Chamisso-Forscher Bernd Ballmann aus London (Foto) jedenfalls war vergangene Woche sehr angetan von diesem Informations- und Gedenkort, in dem man gerne eine Zeit lang verweilt und den Übungen der Musikschüler lauscht.

Freitag, 8. Oktober 2010

Zeitung lesen wie vor 200 Jahren

Mit den Berliner Abendblättern, dem ersten täglich erscheinenden Boulevardblatt der preußischen Hauptstadt, war Heinrich von Kleist seiner Zeit weit voraus - und scheiterte nach einem halben Jahr am Widerstand der Behörden, die einen unabhängigen und kritischen Journalismus fürchteten. Am 1. Oktober 1810 kam die erste Nummer heraus, gut ein Jahr später schoss sich Kleist eine Kugel in den Kopf. Jetzt kann man die Abendblätter wieder abonnieren, umsonst werden sie täglich von der Uni Würzburg per E-Mail zugestellt. Bestellen kann man die Zeitung hier. - Zwischen Kleist und Chamisso gibt es übrigens auch eine topografische Verbindung: 1911 wurde der Kleistpark in Schöneberg zum 100. Todestag von Kleist eingeweiht. Dort befand sich zuvor der Botanische Garten, in dem Chamisso als Kustos gearbeitet hat. Vielleicht wäre das anstehende Kleist-Jahr eine Gelegenheit, auch an die Geschichte des Kleistparks und an Chamisso zu erinnern?