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Dienstag, 20. November 2012

Kommastreit um Kleist

Im Tagesspiegel berichtet Astrid Herbold heute ausführlich über die Schlampereien, die in der Kleist-Jubiläums-Gesamtausgabe des Hanser Verlags aufgedeckt worden sind, was besonders peinlich ist, da die Herausgeber zuvor mit ihrer 20-bändigen großen Brandenburger Kleist-Ausgabe neue editorische Maßstäbe gesetzt hatten. Es bestätigt uns in dem unguten Gefühl, dass auch dem Lektorat im Hanser Verlag in jüngster Zeit nicht mehr zu trauen ist (vgl. Michael Bienerts Besprechung der Döblin-Biografie von Wilfried F. Schoeller). Wenn beim Abschreiben von einer Ausgabe für eine andere aus „Götter u. Heroen“ wird: „Gärten und Heroen“, dann fragt man sich schon, welche unterbezahlten Arbeitskräfte da beschäftigt wurden. Bei allem Verständnis für den Unmut in der Höhenluft der Kleist-Gesellschaft aber handelt es sich doch um ein Luxusproblem: Wir in den Niederungen der Chamisso-Rezeption würden alle Druckfehler und editorischen Mängel leicht verzeihen, wenn denn überhaupt ein Verlag es wagen würde, eine Chamisso-Ausgabe auf den Markt zu bringen.

Kommentare:

  1. Ich glaube nicht, dass eine fehlerhafte Chamisso-Ausgabe wünschenswert wäre, aber realisierbar wäre auf jeden Fall eine, die von den Kompetenzen Aller profitieren würde! Ich hätte mich noch mehr über den Artikel gefreut, wenn die Arbeit Bernd Hamachers in positiverer Weise erwähnt gewesen wäre, denn sein Ruf hat an den Plagiatsvorwürfen (von denen nach wie vor nicht bewiesen ist, ob überhaupt etwas daran ist) massiv gelitten.
    Auf meinem Weihnachtswunschzettel für Chamisso also: dass es zu solchen Streitigkeiten der Interpretationshoheit nicht kommt und jeder seinen Beitrag leisten kann.(und wenn ich hinzufügen darf: Digital lässt sich mehr und leichter verbessern, und pdfs können immer neu aus einer online-Version erzeugt werden)

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  2. Wissenschaftlich-präzise Texte und Kommentare gibts:
    Sämtliche Werke in 2 Bänden.
    Nach dem Text der Ausgaben letzter Handund und den Handschriften. Textredaktion Jost Perfahl.
    Anmerkungen,Glossar der botanischen, zoologischen, geographischen, ethnischen Begriffe und Namensregister sowie Zeittafel und Nachwort von Volker Hoffmann.
    Winkler, München 1975.

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  3. Wenn Sie versuchen, diese Ausgabe antiquarisch zu bekommen, stoßen Sie im ZVAB lediglich auf ein Angebot zum Preis von 580 Euro: http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=204162388&b=1
    Das ist die Marktsituation, die unser Freund Schlemihl wohl im Sinn hatte.

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